Ich hab ja eigentlich kein Lebensmotto. Wuascht. Braucht man ja auch nicht. Und das ist dann irgendwie doch ein Lebensmotto: muass da wuascht sein! Das denk ich mir in letzter Zeit nämlich ziemlich oft. Und damit mein’ ich jetzt nicht das banale YOLO-wuascht, das als Entschuldigung gilt deppert zu sein. (Wer jetzt nicht weiß, wovon ich red’, wenn ich YOLO sag’, der hat meine Anerkennung, weil dem sind nämlich offensichtlich die richtigen Dinge wuascht!) Mein Wuascht-Sein ist ein bisschen tiefgründiger (so wie ich) und es macht das Leben in vielen Situationen einfach viel weniger stressig. Wovon red’ ich denn jetzt eigentlich?

In meinem ersten Post (ja, den kann man übrigens auch noch lesen!) hab ich’s schon kurz angeschnitten. Oft ist man nicht ganz so wie man eigentlich ist. Weil man sich an sein Gegenüber anpasst. Weil man versucht so zu sein, wie man glaubt sein zu sollen (wow, lyrisch!). Und weil das alles so allgemein und käsig klingt, noch ein konkretes Beispiel, mit dem sich sicherlich jedermann (und -frau) identifizieren kann: Ich bin ja grad in England. Und da ich hier niemanden kenne, muss ich wohl oder übel Leute kennen lernen. Der beste Weg, Leute kennen zu lernen, ist sich mit ihnen zu unterhalten (schau an!). Aber genau dann, wenn man jemanden kennen lernen möchte, ist man eigentlich am allerwenigsten man selbst. Man versucht über Dinge zu sprechen, die den anderen interessieren könnten. Weil, man will ja cool sein. Und kennenlernenswert (meine Rechtschreibkontrolle sagt mir, dass das kein richtiges Wort is’, is’ mir aber wuascht!). Jetzt ist das aber oft ein ziemlicher Krampf. Man kann ja nur raten, was einen in den Augen des Anderen cool erscheinen lässt. Und dann denk’ ich mir: muass da wuascht sein! Und red’ lieber über das, was mich interessiert.

Klingt banal, aber ich glaub’, dass es vielen so geht. Und ich glaub’ auch, dass das der Weg ist, jemanden richtig kennen zu lernen. Ich hab’ auch Freunde, bei denen ich noch immer das Gefühl hab’, ein bisschen cooler sein zu müssen als ich wirklich bin (obwohl mein Coolness-Level ja schon ziemlich fortgeschritten ist). Und wenn man die Beziehung zu jemandem nicht schon mit einer gewissen Wuaschtigkeit anfängt, dann ist es ziemlich schwierig da wieder raus zu kommen. Und für wen man von Anfang an nicht cool genug ist, für den wird man es später wahrscheinlich auch nicht sein. Also – muass da wuascht sein!

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Hier zur Auflockerung ein Foto von einer gebratenen Knackwuascht mit Erdäpfelpüree. Mmh, Wuascht…

Es gibt noch so viele andere Dinge, die das Leben so viel schöner machen, wenn sie einem wuascht sind. Zum Beispiel wie man ausschaut. Oder ob jemandem dein Blogeintrag gefällt (ha, ausgetrickst, ich weiß eh, dass es dir gefällt!). Und ja, das ist irgendwie auch ein bisschen egoistisch. Aber ich sag’ ja auch nicht, dass einem alles wuascht sein soll, damit’s einem selbst besser geht. Man muss sich einfach nur öfter zurücklehnen und darüber nachdenken, ob’s einem wuascht sein kann oder nicht. Weil es so viele Dinge gibt, die einem nicht wuascht sein sollten, es aber leider viel zu oft sind. Zum Beispiel, wenn es jemand anderem schlecht geht. Oder wenn man die Dose in den Restmüll schmeißt. Oder wenn es in einem Land, das man gar nicht wirklich kennt, ein Erdbeben gibt und tausende Menschen sterben oder obdachlos werden. (Wem’s nicht wuascht is’, der kann übrigens spenden. Ich hab schon – tut gar nicht weh!) Oder wenn wieder mal ein paar 100 Flüchtlinge direkt vor unserer Nase ertrinken.

Genug moralisiert. Mir ist es leider auch oft wuascht. Aber nur dann, wenn ich nicht darüber nachdenke. Weil man’s oft zwar mitbekommt aber sich nicht wirklich die Zeit nimmt, sich darüber Gedanken zu machen. Nachdenken ist für mich der Schlüssel zur kontrollierten Wuaschtigkeit. Und wenn man das schafft, dann kann man glaub’ ich viel glücklicher sein im Leben.

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